Blog 07/2026

Sommersonnwende: 
Litha & Inti Raymi

Gersbach, 21.06.2026

Der längste Tag des Jahres ist da. Was ist die Bedeutung der Sommersonnwende und wie feiern es verschiedene Kulturen sowohl früher als heute in Europa, wie auch in den Anden Südamerikas?

Sommersonnwende

Das Jahresrad ist wieder in dieser besonderen Zeit im Jahr angekommen- warme Temperaturen, Sommergefühle und die längsten Tage des Jahres. Heute ist Sommersonnwende. Die Sonnenkraft ist auf Ihrem Höhepunkt und wir dürfen uns über lange und milde Abende freuen. Es ist der astronomische Sommerbeginn.

Schon unsere Vorfahren ehrten und indigene Völker aus aller Welt ehren bis heute diesen besonderen Tag mit vielen Traditionen und Bräuchen.

Jahreskreis der europäischen Vorfahren

Lange bevor es eine moderne Zeitrechnung mit Kalendern und Uhren gab orientierten sich die Menschen an den Zyklen der Natur- den Jahreszeiten, Mond- und Sonnenzyklen. Es gab kein elektrisches Licht, beheizte Häuser oder Nahrungsmittel, die rund um die Uhr verfügbar sind. Man war abhängig von einer reichen Ernte und guten Witterungsbedingungen, damit man es besonders in der nördlichen Hemisphäre über den langen und oft harten Winter schaffte. Viele Völker zelebrierten daher diese besonderen Tage im Jahreskreis: die Sonnen- und Mondfeste und waren noch stark in Verbindung mit der Natur. 

Jahreskreis der europäischen Vorfahren

Die Sonnwenden und Tagundnachtgleichen im Frühling und Herbst markieren die vier Sonnenfeste im Jahr. Zur Wintersonnwende wurde mit der längsten Nacht des Jahres die Wiedergeburt des Lichts gefeiert- man wusste von nun an, werden die Tage wieder Stück für Stück länger. Bis hin zur Sommersonnwende- dem längsten Tag des Jahres. Die Sonne ist überlebenswichtig für das Gedeihen der Pflanzen und Nahrungsmittel und wird bis heute in vielen Kulturen geehrt. 

Schon seit Jahrtausenden wird dieser Tag von unseren europäischen Vorfahren in vorchristlichen Zeiten zelebriert, teilweise bis heute. Skandinavien & Baltikum: Bis heute feiert man als eines der wichtigsten Feste des Jahres Mitsommer (in Skandinavien wird es im Sommer praktisch nie dunkel). Man stellt bunte Mitsommerstangen auf und trägt Blumenkränze. In der keltischen Mythologie wird das Fest "Litha" genannt. Auch die Germanen und Slawen feierten diesen Tag. 

Die Sonnenkräfte sind auf ihrem Höhepunkt, die Natur steht in voller Blüte, die ersten Früchte sind reif (Beeren im Wald, im Garten), das Element Feuer und seine Kraft zur Transformation wird geehrt. Es gibt den Brauch der Sonnwendsfeuer. Und verschiedene Wildkräuter wie z.B. das die Sonne symbolisierende Johanniskraut werden geerntet.

Inti Raymi der Andenvölker in Ecuador

Dass Volk der Inka in Südamerika verehrte besonders den Sonnengott Inti. In Peru, nahe Cusco wird die Sonnwende zelebriert, wie auch in Ecuador bei den Otavalos der Anden. Während meines Aufenthaltes in Ecuador 2023, durfte ich hautnah das Sonnwendsfest der Kichwa in Otavalo, ca. 2,5h nördlich der Hauptstadt Quito miterleben.

Im Zentrum von Otavalo wurde mit Obst und Früchten ein großer Altar aufgebaut und mit Räucherritualen, der Ansprache der Bürgermeisterin und verschiedenen Gruppen, die in ihren traditionellen Trachten um den Altar tanzten gefeiert. Anschliessend wurden die Früchte an alle Zuschauer verteilt. 

Es gab einen heiligen Ort ausserhalb der Stadt, wo man zum Wasserfall pilgerte, nachts ein reinigendes Bad nehmen konnte. Danach gab es viele Essensstände auf den öffentlichen Plätzen, die traditionelle "Chicha" wurde ausgeschenkt (fermentiertes Maisgetränk) und es wurde getanzt. Jung und Alt, alle und für Stunden. Meist bildeten einige Musiker ein Zentrum, sie wurden kreisförmig von Leuten umtanzt. "Zapateando" was so viel wie "stampfend", "tänzelnd" bedeutet. Ich erinnere mich noch, wie jemand erklärte "wir tanzen und bewegen die Füsse, sagen der Mutter Erde Danke für ihre Gaben". Die Pachamama ist Mutter Erde und man dankt ihr für die Ernte. Im Mittelpunkt steht auch die Sonne mit ihrer lebensspendenden Kraft.

Bilder des Inti Raymi in Otavalo siehe unten!

Was kannst du zur Sonnwende reflektieren?

Die Sommersonnwende steht für Dankbarkeit, Fülle, Triumph des Lichtes über die Dunkelheit, Feuerkraft, Transformation. Einige Fragen zur Reeflektion: 

* Wofür bin ich heute dankbar? * Was bedeutet Fülle für mich? * Was nährt mich und macht mir Freude? * Wofür "brenne" ich? * Was sind meine Intentionen für das zweite Halbjahr?

Sommersonnenwende

Sonnenkraft, lebensschenkendes Licht, hülle mich ein in dein sanftes, heilsames Strahlen. 

Erleuchte meinen Weg, so dass sich mein Pfad mir offenbart. 

Transformiere in deinem Feuer all das, was mir nicht mehr dient, wo es Zeit ist, loszulassen. 

Möge dein Licht mein Sein erhellen, um Licht in diese Welt zu tragen. 

Mögen mich süße Sommernachtsträume durch die Nacht begleiten.

Nadine Kiefer

 

Eine wunderschöne, erhellende und lichtvolle Sonnwendszeit wünsche ich dir!

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